Hands-on-Test: Samsung Galaxy S2 – der iPhone-4-Herausforderer – Update

Update vom 27. Mai: Die ersten Tage mit dem
Einige Tage mit dem Galaxy S2 von Samsung haben uns nun doch noch einige Ansätze mehr für Verbesserungen gezeigt. So tendiert das Galaxy S2 bei Videoaufnahmen in Full HD (1080p) zu Micro-Rucklern auch das HTC Sensation hat dieses Problem. Die kabellose Wiedergabe von Videos via DLNA auf einem kompatiblen Fernseher ist an sich kein Problem, allerdings scheint die Full-HD-Auflösung (1080p) die Kapazität auszuschöpfen, auch hier sind verstärkt Aussetzer an der Tagesordnung. Wir empfehlen daher die Wiedergabe von HD-Inhalten am TV über eine Kabelverbindung.
Nach vielen Fotos sind wir nach wie vor von der Qualität begeistert, auch wenn man relativ oft einen Farbstich feststellen kann, die Auslösezeit liegt geschätzt bei rund 0,5 Sekunden, bei schlechten Lichtverhältnissen kann dieser Wert durchaus steigen. Etwas frustrierend sind Nahaufnahmen, bis fünf Zentimeter arbeitet der Fokus noch ohne Probleme, wenn man allerdings bis an drei Zentimeter an das Motiv herangeht, scheitert der AF oft beim Scharfstellen. Hier besteht offensichtlich noch Potenzial in der Software für Verbesserungen.

In der ersten Version des Tests haben wir die Speicherausstattung unterschlagen, 16 GByte interner Speicher, von denen rund 13 GByte zur freien Verfügung stehen, sind mehr als genug für die ersten Tage mit dem Handy. Eine SD-Karte fehlt allerdings im Lieferumfang, das Galaxy S2 ist mit Karten von bis zu 32 GByte Kapazität kompatibel.

Etwas seltsam ist die Anordnung der verschiedenen Startbildschirme, der Homescreen des Galaxy S2 liegt nicht in der Mitte, sondern ganz links – könnte man auch besser lösen.

Das 2 wird mit Android 2.3.3 (Gingerbread) ausgeliefert, ein Update auf Android 2.3.4 sollte in den nächsten Wochen ebenfalls erscheinen. Google hat die aktuelle Android-Version bereits für das Nexus S vorgestellt, eine der wichtigsten Änderungen ist die native Implementierung von Videochat in Google Voice. Weitere Änderungen des kommenden Android-Updates: Verbesserte GPS-Geschwindigkeit und neue 3D-Treiber, erste Tests berichten teilweise von 10 bis 20 Prozent Leistungszuwachs. Samsung verfeinert die Google-Software darüber hinaus mit der eigenen Touchwiz-Oberfläche. Version 4.0 besitzt unter anderem verschiedene Hubs (Social, Music, Readers, Game), diese können sich aber nicht mit den erweiterten Funktionen der neuen Sense-Oberfläche von HTC messen. Eine Deaktivierung der Samsung-Erweiterungen ist ohne Eingriff in das Dateisystem des Geräts leider nicht möglich.

: S2 – Design, Ergonomie, Maße
Apple und Samsung fechten zwar momentan einen Patentstreit rund um das iPhone-4-Design aus, bei dem es um den Vorwurf an Samsung geht, das Design kopiert zu haben, aber das neue Samsung-Smartphone ist kein iPhone und versucht es auch nicht, eins zu sein. Apples iPhone 4 ist ein Meisterstück modernen Industriedesigns, zwei Glasplatten als Vorder- und Rückseite, dazwischen ein stylisher Rahmen aus Metall, der gleichzeitig als Antennen dient. Samsung hingegen liefert, abgesehen von der Deckplatte aus Gorilla Glas einen Plastikbomber erster Güte. Dies sollten Sie nicht abwertend verstehen; entweder das Design des Galaxy S2 gefällt Ihnen oder eben nicht.

Das Galaxy S2 ist mit 116 Gramm sehr leicht und mit 8,5 Millimeter momentan das dünnste Smartphone auf dem Markt. Zum Vergleich: das bislang dünnste Smartphone ist das Sony Ericsson Xperia Arc mit 8,7 Millimeter. Das Samsung Galaxy S2 ist rund 125 Millimeter hoch und 66 Millimeter breit – also nur rund drei Millimeter höher und zwei Millimeter breiter als das Galaxy S mit 4,0-Zoll-Bildschirm. Hört sich zu Anfang nicht nach einer sehr schwerwiegenden Veränderung an, in der Praxis liegt das Galaxy S2 aber deutlich anders in der Hand als das Galaxy S. Auf den Punkt gebracht: Unserer Meinung nach hat Samsung mit dem Galaxy S2 die maximal empfohlene Größe für Smartphones erreicht, für manche Anwender hat man diese sogar überschritten. Verstehen Sie uns nicht falsch, das Galaxy S2 liegt sehr gut in der Hand, aber die hohen Flanken des Galaxy S in Kombination mit den runderen Ecken und der kleineren Abmessungen bieten einfach mehr Komfort beim Herumtragen in der Jackentasche. Auf jeden Fall ist ein sorgfältiger Umgang mit dem großen, aber eben auch sehr flachen Galaxy S2 angeraten.

Auf der Rückseite des Galaxy S2 besitzt das Smartphone eine 8-Megapixel-Kamera (1080p-kompatibel) samt LED-Licht, der Sensor befindet sich auf einer abgesetzten Grundplatte, das Schutzglas hingegen ist wieder etwas abgesenkt – regelmäßiges Reinigen der Linse ist dennoch empfohlen. Fast die ganze Rückseite besteht aus einer geriffelten Plastikfläche, unter der sich der Akku und die Kartenslots befinden, das Material liegt überraschend angenehm in der Hand. Zum unteren Ende der Rückseite, also im Bereich des Telefon-Mikrofons, wird das Gerät etwas dicker und bietet den Fingern besseren Halt. Ein Tipp zum ersten Zerlegen der Rückseite: Seien Sie nicht zimperlich, nur harte Fingernägel ermöglichen ein Öffnen per Hand. Nehmen Sie auf keinen Fall einen Schraubenzieher, kleinere Kratzer am Gehäuse lassen sich sonst nicht vermeiden.

Die Vorderseite des Samsung Galaxy S2 wird von dem großen 4,3-Zoll-Display dominiert, fast die ganze Front wird von einer Schicht Gorilla Glas geschützt. Wie schon beim Galaxy S ist der mechanische Homebutton in den Bereich unter dem Display eingelassen. Rechts und links neben dem Homebutton sind die berührungsempfindlichen Flächen für „Zurück“ und „Menü“ eingelassen. Hier scheiden sich die Geister: Wir bevorzugen grundsätzlich mechanische Tasten, da man oft mit dem kleinen Finger auf die berührungsempfindlichen Bereich kommt – Trainingssache. Oben auf der Rückseite sitzt eine 2-Megapixel-Kamera für Videotelefonie.

Die Seiten des Galaxy S2 sind Smartphone-Einerlei, links sitzt die stramme Lautstärkewippe und rechts im oberen Drittel liegt der Power-Knopf. Unterhalb des Homebuttons liegt der USB-Anschluss (leider ohne Schutzschieber wie beim Galaxy S) und der Klinkenstecker für Headsets und Kopfhörer liegt im oberen Rahmen; einen Gummipropfen zum Schutz liefert Samsung nicht. Ein mechanischer Auslöser für die Kamera fehlt leider, hier hätte Samsung im Vergleich zum Galaxy S nachbessern können.

 

Test: Samsung Galaxy S2 – das Display
Als Display ist beim Galaxy S2 ein 4,3 Zoll großes Super AMOLED Plus-Modell mit einer Auflösung von 800 x 480 Bildpunkten verbaut, die Pixeldichte beträgt rund 218 ppi. Einige Android-Konkurrenten, wie beispielsweise das HTC Sensation, bieten mit der qHD-Auflösung mittlerweile 960 x 540 Bildpunkte und auch die Pixeldichte ist mit 256 ppi höher; in der Praxis fällt der Unterschied aber nur beim direkten Vergleich auf und ist angesichts der hohen Qualität des Super-AMOLED-Plus-Displays vernachlässigbar. Zum Vergleich: Das Retina-Display des iPhone 4 bietet bei Smartphones derzeit noch mit einer der höchsten Auflösungen (960 x 640 Bildpunkte) und auch der Pixelabstand ist mit 326 ppi bislang unerreicht, allerdings ist das kleine 3,5-Zoll-Display des Apple-Geräts für viele Anwender nicht mehr zeitgemäß – einer der Gründe, weshalb Apple vermutlich bei einem der kommenden iPhone-Updates einen größeren Bildschirm verbauen wird.

Samsung hat zwar die Auflösung im Vergleich zum Vorgänger Galaxy S nicht angehoben, allerdings hat man dem Display rund 33 Prozent mehr Subpixel spendiert. Dies sorgt laut Samsung dafür, dass Farben heller und lebensechter wiedergegeben werden können. In der Praxis sind wir von dem Display begeistert, die Kontraste sind sehr gut, auch Farbintensität und Farbechtheit liegen auf hohem (Smartphone-)Niveau; selbst die möglichen Einblickwinkel sind sehr gut. Das Geheimnis liegt in der Bauweise des Displays, beim Galaxy S hat Samsung ein AMOLED-Display mit PenTile-Technik verbaut, bei der im Prinzip weniger grüne Subpixel als normalerweise verwendet wurden, was zu einem etwas grobkörnigen Bild geführt hat. Beim neuen Super AMOLED Plus verwendet Samsung eine herkömmliche Anordnung der Subpixel. Im direkten Vergleich mit dem Galaxy S besitzt das Galaxy S2 zwölf Subpixel in einer Gruppe, wohingegen das Galaxy S nur acht vorweisen kann.

Darüber hinaus verspricht Samsung, dass die neue Super AMOLED Plus-Technik den Strombedarf des Displays um rund 18 Prozent senkt. Grundsätzlich arbeitet die AMOLED-Technologie mit aktiv leuchtenden Pixeln, normale Displays benötigen eine zusätzliche Beleuchtung. In der Praxis konnten wir bei mittleren Helligkeitseinstellungen das Display zwar als den Hauptstromfresser identifizieren, aber der Bedarf liegt absolut im Rahmen. Den Farbstich des Vorgängers besitzt das neue Modell nicht, auf Wunsch können Sie die Farbsättigung aus drei Presets dem persönlichen Geschmack anpassen. Ein weiterer Vorteil des weiterentwickelten Bildschirms liegt in der geringen Bauhöhe, so konnte Samsung die Dicke des Geräts auf sagenhafte 8,49 Millimeter erneut reduzieren und gleichzeitig einen größeren Akku (1.650 mAh) verbauen.

Test: Samsung Galaxy S2 – Prozessor und Akkulaufzeit
Der Prozessor des Galaxy S2 basiert auf dem Cortex A9-Design von ARM, der Exynos-4210-Chipsatz besitzt eine leistungsstarke Mali-400-GPU. Anscheinend gibt es aber auch eine andere Version des Galaxy S2, bei dem ein Tegra-2-Chipsatz von Nvidia verwendet wird. Unbestätigte Quellen haben bereits vor Monaten berichtet, dass Samsung bei der Produktion der neuen Exynos-Chipsätze Engpässe hat und daher zum Ausgleich auf Tegra-2-Chips zurückgreifen musste. Deutsche Käufer werden aber auf jeden Fall in den Genuss des Samsung-Chipsatzes mit einer Taktrate von 1,2 GHz kommen. Seien Sie jedoch bei Grauimporten vorsichtig und lassen Sie sich im Zweifelsfall die SoC-Variante in der Kaufquittung aufführen. CPU und GPU, die beide auf dem Exynos 4210-SoC zusammengefasst sind, gehören momentan zu den schnellsten Produkten am Markt – Samsung selbst spricht von einem Leistungsgewinn im Vergleich zum Galaxy S von rund 70 Prozent.

Die beiden Kerne des Exynos-4210-Chipsatzes in Kombination mit 1 GByte Arbeitsspeicher und 16 GByte lokalem Speicher sind in der Praxis eine wahre Wonne – selbst bei rechenintensiven Anwendungen kommt der Prozessor kaum ins Stocken und die alltägliche Bedienung geht butterweich von der Hand – ein Unterschied zum hochgelobten iPhone 4 ist hier nicht mehr feststellbar. Bislang mussten Android-Benutzer immer kleinere Lags oder Ruckler in Kauf nehmen, auch Verzögerungen von einigen Sekunden waren keine Seltenheit. Mit dem Galaxy S2 und anderen Android-Smartphones dieser Generation ist die Wahl zwischen Android und iPhone aktuelle keine Leistungswahl, sondern nur eine Philosophiewahl.

Trotz der hohen Geschwindigkeit, dem großen Display und der rundherum guten Ausstattung ist auch die Akkulaufzeit des Galaxy S2 von Samsung keine Achillesferse mehr. Im Betrieb konnten wir, bei sorgfältiger Einstellung der verschiedenen Smartphone-Funktionen, durchaus eine Laufzeit von drei Tagen erreichen. Zugegeben, wenn man mehrere Stunden spielt und HD-Videos wiedergibt, nebenbei noch WLAN, Bluetooth und Co. eingeschaltet lässt und zwischendurch noch telefoniert, kommt man fast nur einen Tag weit, bevor das Ladekabel gezückt werden muss. Besitzer eines HTC Desire HD können bei solchen Akkulaufzeiten jedoch nur neidisch zum Konkurrenten schielen. Die aktuelle High-End-Riege auf Galaxy-S2-Niveau wird vermutlich gleiche Laufzeiten erreichen, mit den Feature-Schwergewichten der letzten Generation braucht sich die neue Ära aber nicht messen lassen. Samsung erreicht diese hohen Laufzeiten durch ein sehr ausgereiftes Energiemanagment. Ein Beispiel: Die beiden CPU-Kerne laufen nur einen Bruchteil der Zeit mit vollen 1,2 GHz, oft takten sie sich auf 200 MHz herunter. Allerdings merkt der Anwender im Betrieb von diesen Sparmaßnahmen nichts und genau hier muss man den Samsung-Ingenieuren höchstes Lob aussprechen. Das Galaxy S2 erreicht im Standard-Betrieb vielleicht in 10 Prozent der Zeit die maximale Taktrate. Die pixelgenaue Beleuchtung des Displays verringert ebenfalls die Akku-Last.

Test: Samsung Galaxy S2 – die Kamera
Erste Schnappschüsse mit der Kamera deuten auf eine rund einsekündige Wartezeit bis zum möglichen Einsatz hin, für aktuelle Smartphones ein guter Wert – leider verzichtet Samsung auf einen mechanischen Auslöser. Die Bildqualität ist gut, auch wenn man unter erschwerten Bedingungen Abstriche in Kauf nehmen muss. Unterm Strich ist die Hauptkamera aber den gängigen 5-Megapixel-Modellen überlegen und für Smartphone-Verhältnisse gut. Die Videofunktion ist ebenfalls gut gelungen, HD-Videos laufen flüssig und bieten einen hohen Detailgrad, auch wenn, je nach Lichtverhältnissen, ein leichtes Grundrauschen auffällt. Bei 1080p-Aufnahmen haben wir in unserem Wochenend-Test keine Ausfälle oder Ruckler feststellen können. Egal ob Wolkenbruch oder Sonnenschein, die ersten Tage mit der Kamera des Galaxy S2 haben uns gefallen.

Test: Samsung Galaxy S2 – Fazit
Die ersten Eindrücke des Smartphones sind durchweg positiv, vor allem die Geschwindigkeit und die Displayqualität beeindrucken. Kritiker bemängeln allerdings das Fehlen eines HDMI-Ausgangs, ein Blick in die Spezifikationen verrät aber, dass das Galaxy S2 mit MHL ausgeliefert wird – so sind 1080p über den USB-Anschluss möglich. Kleinere Ärgernisse wie das Fehlen eines Kamera-Auslöser-Knopfes oder dem Verzicht auf einen USB-Schutz sind Jammern auf hohem Niveau. Wer mit der Größe des Galaxy S2 kein Problem hat und von einem 3,5-Zoll- oder 3,7-Zoll-Gerät umsteigen will, kann bedenkenlos zugreifen, sofern der Geldbeutel gut gefüllt ist. Der Umstieg von einem Gerät der Galaxy-S-Klasse ist jedoch nur bedingt empfehlenswert – die Leistung reicht für aktuelle Anwendungen noch aus und Sie sollten lieber zur kommenden Generation Anfang 2012 umsteigen. Im Amazon ist das Samsung Galaxy S2 momentan mit 480 – 500 Euro gelistet.

Samsung Galaxy S2 weiß
499 Euro

Samsung Galaxy S2 schwarz
472.89 Euro