Handy-Test Samsung Galaxy Gio

Samsung Galaxy Gio (S5660) Smartphone (8,13 cm (3,2 Zoll) Touchscreen, 3 Megapixel Kamera, Android 2.2) silber

Smartphone-Schnäppchen mit Macken

Samsungs Galaxy Gio ist ein kleines Smartphone mit GPS-Navigation und schnellem Internet. Das Android- bietet insgesamt viel Technik fürs Geld, hat aber auch seine Macken.
Als Unterhaltungsprofi kündigt das kompakte Android-Smartphone Galaxy Gio an. Die technischen Daten weisen allerdings eine Kamera mit lediglich 3,2 Megapixel und Autofokus aus und die Aufzeichnung von Videos erfolgt mit schlappen 320 x 240 Pixel. Aber vielleicht trumpft das Galaxy ja mit anderen Qualitäten etwa beim MP3-Player auf?Außerdem darf man nicht unberücksichtigt lassen, dass der Korea-Knirps bereits für Straßenpreise ab 180 Euro ohne Vertrag zu haben und damit deutlich günstiger ist als das Gros der aktuellen Smartphones.Käufer müssten nicht einmal auf aktuelle Technologien wie den Datenschleuniger HSDPA verzichten, der in UMTS-Netzen Downloads quasi auf DSL-Niveau ermöglicht. Oder auch Push-Mail per Exchange Active Sync sowie eine vorinstallierte Software zum Anzeigen und Editieren von Office-Dateien auf dem Telefon. Damit bietet sich das Gio sogar als mobiles Büro an.
Wie es um die multimedialen Qualitäten des tatsächlich bestellt ist und wo die Entwickler gespart haben, klärt unser Handy-Test.

Ausstattung: Viel Touchsreen fürs Geld

Bei Straßenpreisen ab 180 Euro ohne Vertrag kann man nicht viel erwarten? Weit gefehlt! Ein Blick auf die Ausstattungsliste des Samsung Galaxy Gio überzeugt Zweifler vom Gegenteil: Da finden sich neben dem üblichen Quadband für den nahezu weltweiten Einsatz in GSM-Netzen oder GPS samt Google Maps auch so etwas wie WLAN nach dem aktuellen Standard „n“. Und sogar UMTS nebst dem Datenturbo HSDPA ist mit an Bord, sodass Downloads mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde möglich sind. Der Versandbeschleuniger HSUPA fehlt allerdings. Wer nicht gerade täglich unzählige Fotos oder Videos ins Netz lädt, wird das aber wohl verschmerzen können. Der interne Speicher fällt mit 150 Megabyte für heutige Zeiten zwar etwas mickerig aus, doch gehört eine Micro-SD-Karten mit zwei Gigabyte zur Serienausstattung; maximal können laut Samsung Speicherkarten mit 32 Gigabyte verwendet werden. Der Einschubschacht sitzt seitlich und ist entgegen dem aktuellen Trend von außen zugänglich, sodass man nicht erst den Akkudeckel herunterreißen muss, um den Chip auszutauschen. Über die kostenlose PC-Software Kies 2.0 können Termine und Kontakte mit Outlook via USB-Kabel synchronisiert werden – das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr.

Knackige Kontraste

Das Wichtigste bei modernen Smartphones ist aber natürlich der Touchscreen, und auch der kann sich durchaus sehen lassen. Mit knapp 45 x 68 Millimetern erzielt das Galaxy Gio eine Diagonale von rund 81 Millimetern. Kein Vergleich zu einem Samsung Wave II mit 48 x 80 Millimetern oder gar XXL-Handys wie dem HTC Desire HD mit satten 56 x 93 Millimetern, doch liegt das Gio mit seinen Werten immerhin vier Prozent über dem aktuellen Durchschnitt. Die Auflösung von 50 Pixel pro Quadratmillimeter bleibt allerdings mehr als ein Viertel hinter dem Durchschnitt von 69 zurück, aber das ist natürlich eine Frage des Preises. Berücksichtigt man diesen, erreicht das Gio indes einen vorzüglichen Wert von 5,9 Cent pro Quadratmillimeter Display, der Mittelwert liegt hier bei 9,3 Cent. Soll heißen das Gio bietet viel Display fürs Geld. Und noch in einem weiteren Punkt überzeugt das Samsung: Auch wenn es sich laut Hersteller lediglich um ein reguläres TFT-Display handeln soll, so haben es die Kontraste in sich, beinahe wie auf einem AMOLED-Bildschirm. Das Schwarz ist ein wenig schwärzer als auf üblichen TFT-Mattscheiben, und obwohl das Display wie alle seine Artgenossen kräftig spiegelt, lässt sich die Anzeige doch überdurchschnittlich gut ablesen. Das kann sich wortwörtlich sehen lassen!

Multimedia: Überzeugender Klang

Foto: Bei den Kamerafunktionen schlägt Samsung mal wieder richtig zu. Neben Geotagging, Selbstauslöser und Lächelkontrolle gibt es einen Makro-, Serien- und Panorama-Modus. Elf Szenenprogramme wie Sport, Strand/Schnee oder Sonnenuntergang erleichtern Hobbyfotografen das Leben. Manuell lassen sich Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Schärfe und Lichtquelle („Weißabgleich“) regulieren. Für die Belichtungsmessung stehen drei Optionen („Mittenbetont“, „Spot“, „Matrix“) zur Verfügung. Einen Touch-Fokus zum manuellen Positionieren des Autofokus fehlt jedoch, ebenso wie eine Auslösertaste. Letzteres übernimmt eine Schaltfläche auf dem Touchscreen. Die Auslöseverzögerung beträgt rund 0,4 Sekunden. Für ein Handy ein akzeptabler wert.

Bildqualität: Die Fotos mit maximal 2048 x 1536 Bildpunkten oder umgerechnet 3,15 Megapixel gelingen recht scharf, waren im Test unter Verwendung der Vollautomatik aber durchweg eine Spur überbelichtet. Das lässt sich durch die erwähnte manuelle Justierung ändern – was eigentlich jedoch gar nicht erst erforderlich sein sollte. Auffällig war auch das etwas überdurchschnittlich stark erkennbare Farbrauschen. Das Samsung Galaxy Gio kassiert damit zwar noch ein für seine Klasse durchschnittliches „Ausreichend“, allerdings nur haarscharf.

Video: Bewegtbilder zeichnet das Gio mit 320 x 240 Bildpunkten auf. Das ist selbst für ein Telefon der unteren Mittelklasse ein wenig mager. Ebenso wie die 15 Bilder pro Sekunde, die Bewegungen nicht flüssig festhalten können. Die Clips sind aber scharf – was bei der geringen Auflösung allerdings keine Kunst ist –, und die Belichtungsautomatik zieht ebenso schnell wie sanft nach. Bei 30 Bildern pro Sekunde könnte man wenigstens urteilen „klein, aber fein“, doch dem Gio bleibt nicht einmal dieser Trost. Bei der Wiedergabe von Fremdmaterial tut sich das Samsung ebenfalls schwer. Von unseren fünf Testvideos konnte das Gio lediglich eines abspielen!

Musik: Business as usual bei der Musikwiedergabe: Wie fast immer bei Android werden Audiodateien nach Titel, Interpret und Album, nicht aber nach Genre sortiert. An automatischen Playlists protokolliert die Software nur die zuletzt hinzugefügten Songs, der Equalizer bietet elf feste Voreinstellungen, kann aber nicht manuell justiert werden. In der Kopfseite rechts findet sich zudem eine 3,5-Millimeter-Buchse zum Anschluss beliebiger Kopfhörer.

Klangqualität: An unserem Referenz-Headset, einem Ultimate Ears 11 Pro, kann sich das Gio hören lassen. Druckvolle Bässe, präsente Höhen, ein rundum ausgewogenes, natürliches Klangbild – so macht das Spaß! Im Vergleich zu unserer Grenzreferenz, dem Nokia N81, fallen die noch etwas spritzigeren Hochtöne auf. Das ergibt ein glattes „Sehr gut“. An (deutlich teurere) Spitzenmodelle wie das iPhone 4 oder Desire HD kommt das Gio allerdings nicht ganz heran. Den allermeisten Interessenten dürfte der Sound des Gio aber voll und ganz genügen, zumal sich die Unterschiede nur mit entsprechend guten Kopfhörern ausmachen lassen.

Handhabung: Robuster Spielverderber

Eines ist klar: Das Gehäuse des Galaxy Gio verströmt nicht gerade eine Aura von Hochwertigkeit und Luxus. Das kann man bei diesem Preis auch nicht verlangen. Dennoch ist das Glas definitiv halb voll. Nach Billig-Handy sieht das Samsung mit seinem dunklen, hochglänzenden Metallrahmen auch nicht aus, daran kann selbst der eigenwillige, von Mikropunkten durchsetzte Kunststoffrücken nichts ändern. Der erweist sich immerhin als verblüffend robust, Staub wird einfach weggewischt. Darüber hinaus sitzt der Akkudeckel, der die gesamte Rückfront bildet, bombenfest ohne zu wackeln oder zu knarzen. Lediglich die biegbare Bildschirmabdeckung fällt negativ auf. Durch die lässt sich der Finger bis aufs Display hinunter durchdrücken, was dort temporäre Spuren hinterlässt. Gut kann das nicht sein. Andererseits hat man das auch schon bei anderen Geräten gesehen, bei denen auch nach monatelanger Nutzungsdauer keine Displayschäden zu verzeichnen waren. Mangels nachweislicher Folgeschäden werden hierfür keine Punkte abgezogen.

Wechselhaft

Der Ein-/Aus-Taster sitzt ergonomisch geschickt in der rechten Gehäuseflanke oben und ist damit sowohl mit Links als auch mit Rechts deutlich besser erreichbar als in der Kopfleiste. Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich die Lautstärkewippe und in der Mitte unter dem Touchscreen ist schließlich eine große Taste platziert, über die man jederzeit zurück zum Startbildschirm gelangt. Links davon befindet sich eine Sensorfläche für die Optionen, rechts für „zurück“. Somit hat der Anwender mit einem permanenten Wechsel zwischen sanften Fingertipps und einem kräftigen Druck auf die Homescreen-Taste zu kämpfen, was einem einheitlichen Bediengefühl äußerst abträglich ist. Da gefallen Smartphones ausschließlich mit Sensorflächen deutlich besser. Aber der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier und wird somit auch diesem „Medienbruch“ anpassen.

Schwächlich

Dauerhaft ärgerlich bleibt hingegen der mitunter überforderte Prozessor. Dieser ist laut Samsung zwar mit 800 Megahertz getaktet und wäre somit wahrlich keine Schnecke, doch laufen Spiele wie beispielsweise „Angry Birds“ nur äußerst ruckelig ab. Der Benchmark „Device Mark“ bescheinigt dem Gio lediglich magere 325 Punkte im CPU-Test. Möglicherweise fehlt eine unterstützende Grafikeinheit oder der Arbeitsspeicher, über den sich Samsung ausschweigt, ist zu klein. Wer aufwändig animierte Spiele auf seinem Mobiltelefon zu nutzen gedenkt, sollte jedenfalls vom Gio Abstand nehmen. Für eine beschauliche Partie Backgammon oder Solitär reicht die Rechenkraft aber allemal. Vor allem läuft das kinetische Scrollen sanft und zügig ab und auch das Öffnen von Funktionen klappt blitzschnell, da gibt es wirklich nichts zu meckern.

Individuell

Das Betriebssystem Android 2.2.1 überlagert Samsung wie gewohnt mit seiner eigenen Oberfläche. Somit können die ab Werk drei Startbildschirme bei Bedarf auf bis zu sieben ausgebaut werden, um darauf Widgets, Ordner und Verknüpfungen anzulegen. Durch das Zusammenziehen zweier Finger auf dem Touchscreen erscheinen sämtliche Startbildschirme verkleinert und können beliebig verschoben werden. Zieht man die Statusleiste am oberen Bildrand herab, tauchen neben aktuellen Ereignissen fünf Icons auf, über die sich WLAN, Bluetooth, GPS, Töne sowie die automatische Ausrichtung des Bildschirminhalts mit je einem Klick ein- oder ausschalten lassen. Darüber hinaus werden die Icons des Menüs nicht unstrukturiert untereinander aufgereiht, sondern in 16er-Blöcken auf horizontale Seiten verteilt wie auf dem iPhone. Vor allem aber können die Symbole per drag & drop gezielt auf den Seiten platziert werden, was eine Rubrizierung ermöglicht. Spätestens ab der einhundertsten App wird´s sonst unübersichtlich.

Genial

Die Schaltflächen des virtuellen Keyboards messen 5,9 x 5,4 Millimeter – zehn Prozent weniger als der Durchschnitt aller aktuellen Touchscreen-Tasten. Daher ist die Fehlerquote beim Tippen von Texten recht hoch. Ferner hat nur der Punkt eine eigene Taste abbekommen, das Komma muss ebenso wie die Umlaute über Gedrückthalten der Grundtaste (etwa des „a“ für ein „ä“) und die anschließende Auswahl aus einem Popup-Fenster erzeugt werden. Das kostet wertvolle Zeit. Außerdem gibt es da noch einen Haken: Anders als mittlerweile üblich, reicht es für die Auswahl nicht, mit dem Finger über eine beliebige Stelle des Touchscreens zu fahren. Stattdessen müssen die sehr kleinen Einblendungen direkt angetippt werden. Das ist nicht nur unkomfortabler, sondern vor allem auch deutlich fehleranfälliger! Darüber hinaus wird eine Lupenfunktion zur genauen Platzierung des Cursors in bereits vorhandenem Text vermisst. Eigentlich hätte das Gio somit nur ein knappes „Ausreichend“ für die Tastatur verdient.Glücklicherweise hat Samsung aber noch die Software „Swype“ springen lassen. Sobald diese aktiviert ist, erscheint nicht nur das Komma auf einer eigenen Schaltfläche, sondern es reicht auch, den Finger über die erforderlichen Buchstaben gleiten zu lassen anstatt sie einzeln anzutippen. Ähnlich wie T9 bei klassischen alphanumerischen Keyboards erkennt das Programm anhand der Buchstabenkombination das gewünschte Wort; bei mehreren Möglichkeiten blendet ein Fenster diese zur Auswahl ein. Vorteil: Um Umlaute oder das „ß“ muss sich der Anwender gar nicht mehr kümmern, die Software wandelt automatisch beispielsweise ein „a“ in ein „ä“ um. Superkomfortabel und ultraschnell: genial!
Punktabzüge setzt es wiederum für die Tatsache, dass man zwischen Samsung- und Swype-Keyboard nicht in den Android-Optionen, sondern ausschließlich über einen langen Druck auf das „Einstellungen“-Symbol der Tastatur wechseln kann. Das Swype-Keyboard lässt jedoch ein solches Symbol vermissen, weshalb sich diese Einstellung nicht intuitiv rückgängig machen lässt, und auch das Handbuch schweigt sich hierzu aus. Zur Samsung-Tastatur gelangt man nämlich nur mit einem Trick: Klickt man ins Texteingabefenster und lässt den Finger dort ruhen, öffnet sich ein Popup-Fenster mit der entsprechenden Auswahl.

Fazit: Schnäppchen mit Schlappen

Bei Straßenpreisen ab 180 Euro ohne Vertrag mussten die Entwickler ja irgendwo den Rotstift ansetzen, soviel war klar.Für gewisse Zielgruppen kommt das Galaxy Gio daher nicht in Frage: Spielfreunde zum Beispiel würden sich über die teils ruckelige Darstellung von Games ärgern, Hobbyfotografen dürften sich mit den Aufnahmen der 3-Megapixel-Kamera sowie den winzigen, unerfreulichen Videos kaum anfreunden.Allen Übrigen wird der gut Klang des Musikplayers, die solide, kompakte Bauweise sowie die Ausstattung inklusive UKW-Radio, WLAN n, HSDPA und GPS gewiss völlig ausreichen.
Und obwohl das Display nur minimal größer ausfällt als der Durchschnitt, begeistert die kontrastreiche Darstellung, selbst wenn die Auflösung etwas mager bleibt. Einige kleinere Schlappen bei der Handhabung verhindern zwar die Prädikatsnote, grundsätzlich geht die Bedienung jedoch in Ordnung.
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